Die Herbstbelebung bringt Bewegung in den ostdeutschen Arbeitsmarkt. Doch für Personalverantwortliche bedeutet das noch keine Entspannung beim Recruiting. Der neue DIEPA Arbeitsmarktindex Ost zeigt: An jedem zweiten befragten Standort steigt die Personalnachfrage, während drei Viertel von weniger geeigneten Bewerbern berichten. Zugleich steigen die Löhne. Entscheidend wird damit die Frage, wie Unternehmen ihre Angebote an die Erwartungen verfügbarer Fachkräfte anpassen.
Mehr Stellenmeldungen trotz angespannter Wirtschaftslage
Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdeutlichen diese Gleichzeitigkeit. In Thüringen sank die Arbeitslosenquote im September 2026 auf 6,3 Prozent. Arbeitgeber meldeten 4.262 neue Stellen, 31,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Sachsen-Anhalt ging die Quote auf 8 Prozent zurück; die Zahl neu gemeldeter Stellen lag mit 3.504 um 17,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Die saisonale Belebung trifft allerdings auf eine weiterhin schwierige Wirtschaftslage. In beiden Ländern lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Juli nach Hochrechnungen unter dem Vorjahresniveau.
Für HR-Abteilungen ist diese Unterscheidung wesentlich: Ein höherer Personalbedarf in einzelnen Regionen oder Berufen bedeutet keinen flächendeckenden Beschäftigungsaufschwung. Ebenso lässt eine größere Zahl arbeitsloser Menschen nicht automatisch auf ein ausreichendes Angebot für jede offene Fachkräftestelle schließen. Qualifikation, Einsatzort und Arbeitsbedingungen müssen zusammenpassen.
Genau hier setzt der DIEPA Arbeitsmarktindex Ost an. Zwischen dem 18. August und dem 8. September 2026 befragte der Personaldienstleister zwölf eigene Standorte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Ergebnisse bilden deren Erfahrungen aus der Vermittlungspraxis ab. Sie sind keine repräsentative Erhebung für die gesamte ostdeutsche Wirtschaft, liefern aber Hinweise darauf, wo Besetzungen im betreuten Markt schwierig bleiben.
Fachliche Passung bleibt die größte Hürde
83 Prozent der Standorte nennen zu wenige qualifizierte Bewerber als Grund für unbesetzte Stellen. Konkurrenz durch andere Arbeitgeber folgt mit 42 Prozent, zu hohe Anforderungen der Unternehmen mit 33 Prozent. Besonders schwierig ist nach Einschätzung der Standorte die Besetzung von Stellen für Schweißer, Elektro- und Pflegefachkräfte sowie Erzieher.
Die Schwerpunkte der Vermittlung erklären zugleich, welchen Ausschnitt des Arbeitsmarktes die Befragung erfasst: Jeweils 83 Prozent der Standorte vermitteln im Handwerk sowie in Logistik und Lager, 75 Prozent in Industrie und Produktion. Pflege und Gesundheit gehören bei 58 Prozent, kaufmännische Berufe bei 50 Prozent zum Vermittlungsgeschäft. Die Prozentwerte beziehen sich auf Standorte, nicht auf den Anteil dieser Branchen an allen offenen Stellen.
„Unsere Standorte spüren jeden Tag, wie eng der Arbeitsmarkt im Osten geworden ist. Es fehlt nicht an offenen Stellen, sondern an passenden Bewerberinnen und Bewerbern“, sagt Tobias Dietze, Geschäftsführer der DIEPA GmbH.
An 50 Prozent der befragten Standorte ist die Personalnachfrage in den vorangegangenen sechs Monaten eher gestiegen, an 17 Prozent blieb sie stabil. Gleichzeitig beobachten 75 Prozent weniger geeignete Bewerber. Für die kommenden sechs Monate erwarten jeweils 42 Prozent eine steigende beziehungsweise stabile Nachfrage. Aus Sicht der Standorte dürfte die Suche nach passenden Fachkräften deshalb anspruchsvoll bleiben.
Gehalt allein reicht als Wechselargument nicht aus
An allen zwölf Standorten sind die Löhne und Gehälter in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Die Hälfte berichtet von Zuwächsen zwischen 5 und 10 Prozent. Dennoch bewerten die Standorte die Wechselbereitschaft im Durchschnitt nur mit 2,83 auf einer Skala von 1 bis 5.
Als besonders wichtige Kriterien bei der Jobwahl nennen die Standorte flexible beziehungsweise bessere Arbeitszeiten mit 75 Prozent, ein höheres Gehalt mit 67 Prozent und einen kurzen Arbeitsweg mit 50 Prozent. Weniger Schichtarbeit folgt mit 42 Prozent, ein gutes Arbeitsklima mit 33 Prozent. Karrieremöglichkeiten und Benefits werden seltener genannt. Diese Angaben beruhen auf Standort-Einschätzungen, nicht auf einer direkten Bewerberbefragung.
Dietze beschreibt die Konsequenz so: „Unternehmen, die heute Fachkräfte gewinnen wollen, müssen bei Arbeitszeiten, Gehalt und Arbeitsweg umdenken – genau das sind die Punkte, die Bewerber uns immer wieder nennen.“
Für Personalverantwortliche legt das nahe, Stellenangebote auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen. Planbare Schichten, realistische Anforderungen und erreichbare Einsatzorte können Ansatzpunkte sein. Wo notwendige Qualifikationen fehlen, stellt sich zusätzlich die Frage nach Einarbeitung und Weiterbildung. Dabei sollten Unternehmen zwischen zwingenden Voraussetzungen und erlernbaren Fähigkeiten unterscheiden. Wer jede Anforderung unverändert fortschreibt, begrenzt möglicherweise den eigenen Bewerberkreis. Eine gezielte Prüfung kann zusätzliche Kandidaten erschließen, ohne fachlich notwendige Standards für die Tätigkeit aufzugeben.
Regionale Präsenz als Grundlage der Vermittlung
DIEPA ist für diesen regional differenzierten Markt breit aufgestellt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Magdeburg ist seit 1995 im Personaldienstleistungsgeschäft tätig; sein Standortnetz konzentriert sich überwiegend auf Ostdeutschland. Dazu gehören unter anderem Chemnitz, Wurzen, Gotha, Stendal und Zeitz sowie Standorte in Berlin und Brandenburg und in Rostock. Diese Verteilung schafft räumliche Nähe zu unterschiedlichen Wirtschaftsregionen und den dortigen Bewerbermärkten.
Für die Vermittlung kann diese Präsenz hilfreich sein: Welche Wege Beschäftigte akzeptieren, welche Schichtmodelle gefragt sind und welche Kompetenzen Betriebe benötigen, lässt sich im lokalen Austausch konkret erfassen. Der Index bündelt solche Einschätzungen über mehrere Standorte hinweg. DIEPA plant, ihn künftig regelmäßig zu veröffentlichen. Für HR-Verantwortliche entsteht damit eine zusätzliche Perspektive neben der amtlichen Statistik: Sie zeigt, welche Anforderungen Unternehmen und Bewerber vor Ort zusammenbringen müssen, damit aus Personalbedarf tatsächlich eine Besetzung wird.




