Katrin Hansmeier zeigt, warum Freude im Unternehmen kein nettes Extra ist, sondern ein harter Erfolgsfaktor. Die Expertin für Work Joy Balance erklärt, weshalb angespannte Teams selten kreativ arbeiten und echte Produktivität dort entsteht, wo Menschen mit Energie, Humor und Vertrauen zusammenkommen.
Sie spricht über wertschätzenden Humor, bessere Fehlerkultur und die Fähigkeit, auch im Chaos handlungsfähig zu bleiben. Wer Zusammenarbeit stärken, Recruiting verbessern und mehr Leistung ohne Dauerdruck erreichen will, findet hier überraschend klare Impulse.
Interview mit Katrin Hansmeier

© Steffi Henn
Warum wird Freude im Job oft unterschätzt, obwohl sie ein echter Performance-Faktor ist?
Wir lernen schon früh: „Nur wenn es anstrengend war, dann war es richtige Arbeit.“ Außerdem heißt es z.B. in Deutschland: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Man trennt es also voneinander. So wird Freude und Leichtigkeit zu einem unterschätzten Faktor, den man nicht ernst nimmt.
Das man aber beides gleichzeitig haben kann und dadurch sowohl die Produktivität als auch das Teamgefühl immens stärkt, das wird vergessen.
Und dann braucht es manchmal richtig viel Mut, es sich leicht zu machen und wieder zu lernen Freude als Kompass zu nutzen und sie sogar gezielt in Prozesse einzubauen.
Freude ist häufig das Erste, was verschwindet, wenn es „ernst“ wird.
So wird sie im Business oft behandelt. Etwas Nettes. Optional. Und gleichzeitig höre ich überall: „Die Stimmung ist angespannt.“„Die Zusammenarbeit hakt.“„Alle sind müde.“
Vielleicht hängt das zusammen? Denn Freude heißt nicht, Witze zu machen oder ständig gut drauf zu sein. Freude heißt: Weniger innere Abwehr. Klarere Gespräche. Mehr Bereitschaft, gemeinsam Probleme zu lösen.
Was steckt hinter „Work-Joy-Balance“ und warum brauchen Unternehmen sie gerade jetzt?
Wir stecken in einem der größten Change-Prozess aller Zeiten – und zugleich ist unsere Welt unsicherer geworden. Unternehmen, die sich nicht darauf einstellen, werden weginnoviert. Wo wir morgen stehen, kann niemand mit Gewissheit sagen.
Und Organisationen müssen aushalten, dass ihr Weg häufig im Gehen entsteht. Die Fähigkeit, diese Unsicherheiten auszuloten und mit Widersprüchen umzugehen, ist heute also gefragter denn je. Früher war Flexibilität ein „Nice to Have“ heute ist es überlebenswichtig geworden.
Mein Prinzip ist: „Hurra ein Problem, mal schauen, was ich damit mache!“ So werden wir handlungsfähig und agieren lösungsorientiert. Wir lösen gemeinsam und sogar mit Freude Probleme, anstatt in ewigen Ärgerschleifen zu verharren. So kommen wir miteinander schneller und auch besser gelaunt ans Ziel.
Work-Joy-Balance schafft ein stimmiges, wirkungsvolles Miteinander im Berufsalltag. Sie führt zu mehr Produktivität und höherer Zufriedenheit der Mitarbeitenden, zu einem erfolgreicherem Recruiting, mehr Umsatz und einer Stärkung von Unternehmensmarke und Unternehmenserfolg.
Wie verändert Humor konkret Kommunikation, Zusammenarbeit und Produktivität im Alltag?
Der wertschätzende, aufwertende Humor nimmt den positiven Blick ein. Ein Glas Wasser fällt dem Gegenüber runter? Du antwortest z. B. „Du kannst aber schön Loslassen!“ oder „Wenn das mal kein flüssiger Übergang zum nächsten Thema war!“
Ein etwas peinlicher Moment wird entspannt. Wir begegnen uns wertschätzend und nicht beschämend.
Aufwertender Humor schafft Nähe. Er entspannt Situationen, verbindet, stärkt das Miteinander.
Etwas klappt nicht gleich im Team? Wenn man jetzt gemeinsam locker bleibt, löst sich die Spannung und die Zusammenarbeit klappt besser.
Bei Fehlern wird geschaut: OK was haben wir jetzt gelernt? Und nicht: Wem geben wir die Schuld?
Vor kurzem war ich als Zuhörerin auf einer Veranstaltung, bei der es den ganzen Tag über unangenehme Tonstörungen gab. Ein Summen, ein Brummen, ein Kratzen…immer wieder. Die meisten taten so, als wäre nichts. Die Redner*innen sprachen unbeirrt weiter, das Publikum schaute verlegen.
Man ignorierte die Störung – professionell eben. Aber die Störung war offensichtlich für alle und nicht ignorierbar.
Man hätte so viel daraus machen können!
Ein kurzer Kommentar wie:
- „Oh, das Universum meldet sich wieder.“
- Oder: „Einen Moment, ich übersetze kurz.“
- Oder: „Immer wenn dieses Surren ertönt, schauen Sie Ihrem Nachbarn tief in die Augen und sagen: Oh ha!“
- Oder: „Das ist meine innere Stimme, die grunzt vor Glück weil Ihr so ein gutes Publikum seid!“
- Oder: Das ist eine intergalaktisches Event, die Außerirdischen nehmen auch teil.“
Was für ein verbindender und auch witziger Moment das gewesen wäre!
Eine gute Fehlerkultur, in der wir auch gemeinsam lachen dürfen über Missgeschicke kreiert eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der innovatives Denken möglich ist. Die Motivation steigt und die psychologische Sicherheit auch.
Allerdings muss der Humor wertschätzende und anschlussfähig sein.
Katrin Hansmeier macht Arbeit leichter

Warum ist Improvisation heute eine Schlüsselkompetenz in der Arbeitswelt?
Die Zeiten ändern sich immer schneller. Vieles ist nicht mehr planbar. Wenn wir lernen uns einzulassen und schnell umzuschalten, bleiben wir permanent handlungsfähig und nutzen sogar Planänderungen als Chance. Diese Schlüsselkompetenz entscheidet maßgeblich über unseren Erfolg.
Wie gelingt es, auch in stressigen oder unsicheren Situationen handlungsfähig und kreativ zu bleiben?
Wir müssen weiteratmen, anstatt Schnappatmung zu bekommen. Und bewusst etwas für unsere körperliche Lockerheit tun. Zum Beispiel Winken😉- Ehrlich, das macht uns locker. Aber auch bewusst den Fokus verändern.
Nicht in die Negativ-Bewertung, sondern die Perspektive wechseln und schauen: Was bietet mir die Situation? Und dann ruhig ein bisschen übertreiben und Humor an die Situation lassen.
Toll, Stress, da merke ich mal wieder was Adrenalin im Körper so macht.
Aber auch in Momenten, wo jemand einen blöden Spruch macht, schlagfertig zu reagieren gehört für mich dazu. Jemand sagt: „Sie sind sicher die Dame, die das Protokoll schreibt?“(obwohl Du hier die Führungskraft bist?).
Dann antworte doch schmunzelnd : „Fast… Ich bin die Frau, die es später unterschreibt.“
Ich habe vor einer Weile einfach aufgehört, mich zu erklären oder in eine Abwehrhaltung drängen zu lassen. Jetzt spiel ich viel lieber!
Mit Sprache, mit Überraschung, mit Erwartungen und unerwarteten Perspektiven.
Ich entscheide mich auch ganz bewusst, nicht zurückzuschießen, sondern lieber elegant umzulenken.
Welchen Tipp geben Sie HR- und Führungskräften und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Als Führungskraft kann ich gezielt Leichtigkeit in Situationen bringen, indem ich bewusst aufwertenden Humor bei Missgeschicken nutze.
Oder ein Meeting mal anders als sonst gestalte. Eine witzige Überraschung einbaue oder einen Austausch zu Beginn mache zum Thema: Worüber hast du letzte Woche gelacht? Oder was ist gut gelaufen? Also bewusst den Focus zu verändern.
Echte Teamkultur entsteht, wenn Menschen sich ohne Barrieren begegnen. Sich gegenseitig Leichtigkeit schenken und achtsam mit der gemeinsam verbrachten Lebenszeit umgehen anstatt sie mit rummosern zu verschwenden.
Als Führungskraft kann ich darauf achten, dass gemeinsam gefeiert wird.
– nicht nur Erfolge, sondern auch den Weg dorthin. Ein gutes Team ist mehr als seine To-Do-Liste. Man kann Räume schaffen ohne Titel & Positionen – Meetings, Team-Events oder einfach mal ein Lunch, bei dem alle auf Augenhöhe sind.
Aber auch eigene „Fuck Up“ Momente zu teilen und die Learnings daraus, kann ein wunderbarer Schritt in Richtung einer guten Fehlerkultur sein.
Im Bereich HR kann man bewusst mal schauen: Wie ist es um unsere Work-Joy-Balance bestellt und wie können wir Freude in unsere Unternehmenskultur bringen? Mit gezielten Seminaren, Coachings und Impulsvorträgen zum Beispiel, die dieses Thema fokusieren.
- Mit mir kann man in Kontakt treten über meine Website.
- Meine Mailadresse: enjoywork@katrinhansmeier.com
- Meinen Linkedin Kanal: https://www.linkedin.com/in/katrin-hansmeier/
- Mein You Tube Kanal: https://www.youtube.com/@KatrinHansmeier
Über Katrin Hansmeier
Katrin Hansmeier ist Expertin für Work Joy Balance, Rednerin und Diplom Schauspielerin. Mit Leichtigkeit und Charme unterstützt sie Unternehmen dabei, Stress zu reduzieren, Freude zu stärken und dadurch Produktivität, Zufriedenheit sowie Umsatz zu steigern. Sie ist zudem Autorin des Buches „Humor. Das Manifest für verzögerte Schlagfertigkeit“.
Wenn Sie denken, die Frau kenn ich doch, dann war sie vielleicht schonmal in Ihrem Wohnzimmer. Sie hat in zahlreichen Theater-, Kino- und TV-Produktionen mitgewirkt, u. a. im Kommissarenteam im Berliner Tatort und als Kriminalhauptkommissarin in der Krimireihe Theresa Wolff.



