Viele Unternehmen suchen monatelang nach neuen Mitarbeitenden und verstehen trotzdem nicht, warum es einfach nicht passt. Die Bewerbungen wirken gut, die Gespräche laufen freundlich, doch wenige Monate später beginnt die Frustration auf beiden Seiten. Was oft wie Fachkräftemangel aussieht, ist in Wahrheit ein viel tieferes Problem: fehlende Klarheit darüber, wie Zusammenarbeit im Unternehmen überhaupt gelebt wird.
Andrea Erdmann beschäftigt sich seit über 25 Jahren genau mit diesem Punkt. Sie begleitet inhabergeführte Unternehmen dabei, Recruiting nicht länger als reinen Suchprozess zu sehen, sondern als ehrliche Standortbestimmung. Im Interview erklärt sie, warum Stellenanzeigen alleine heute kaum noch reichen, weshalb Werte über langfristige Zusammenarbeit entscheiden und warum gute Mitarbeitende nicht durch Lautstärke entstehen, sondern durch Klarheit.
Interview mit Andrea Erdmann
Warum wird Cultural Fit im Recruiting immer wichtiger?
Cultural Fit wird nicht wichtiger, er wird gerade erst ernst genommen.
Viele Unternehmen haben im Recruiting keine klare Grundlage – auch wenn sie schon lange suchen. Es fehlt oft die Klarheit: Wie arbeiten wir eigentlich wirklich? Was ist uns im Alltag wichtig? Und welche Menschen passen genau dazu?
Stattdessen wird direkt in Stellenanzeigen investiert oder auf mehr Sichtbarkeit gesetzt. Das Problem ist: Wenn diese Basis fehlt, bringt auch die beste Anzeige wenig. Es kommen Bewerbungen, aber oft nicht die richtigen.
Gerade in inhabergeführten Unternehmen ist das entscheidend. Die Zusammenarbeit ist enger, Entscheidungen sind direkter und die Kultur wird stark von den Inhabern geprägt. Wenn jemand fachlich passt, aber im Verhalten oder in der Arbeitsweise nicht, wird es im Alltag schnell schwierig.
Cultural Fit bedeutet am Ende genau das: Passt jemand wirklich zur Art, wie im Unternehmen gearbeitet und zusammengearbeitet wird.
Wenn diese Klarheit da ist, wird Recruiting deutlich einfacher, zielgerichteter und langfristig stabil.
Was passiert, wenn Werte zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden nicht zusammenpassen?
Wenn Werte nicht zusammenpassen, merkt man das selten sofort im Lebenslauf, aber sehr schnell im Alltag.
Am Anfang wirkt oft noch alles passend. Fachlich stimmt es, das Gespräch lief gut. Aber nach kurzer Zeit entstehen Reibungen: unterschiedliche Erwartungen, andere Arbeitsweisen, Missverständnisse im Team oder mit der Führung.
Das kostet Energie – auf beiden Seiten. Dinge werden häufiger hinterfragt, Abstimmungen dauern länger, und die Zusammenarbeit fühlt sich anstrengend an. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass Mitarbeitende innerlich kündigen oder das Unternehmen wieder verlassen.
Gerade in kleineren, inhabergeführten Unternehmen hat das direkte Auswirkungen. Teams sind enger, jeder Einzelne ist wichtiger, und Fehlbesetzungen fallen schneller ins Gewicht – fachlich wie wirtschaftlich.
Ich erlebe oft, dass dann an Symptomen gearbeitet wird: Kommunikation verbessern, Prozesse anpassen oder neue Benefits einführen. Das eigentliche Thema bleibt aber unklar.
Wenn Werte und Erwartungen von Anfang an sauber geklärt sind, passiert genau das Gegenteil: Zusammenarbeit wird einfacher, Entscheidungen werden schneller getroffen und Teams funktionieren stabiler.
Viele Unternehmen investieren viel Geld in Stellenanzeigen. Warum reicht das heute oft nicht mehr aus?
Stellenanzeigen funktionieren – aber nur, wenn die Grundlage stimmt.
Viele Unternehmen investieren heute viel Geld in Reichweite und Plattformen. Das Problem ist: Wenn nicht klar ist, wen man eigentlich sucht und was das Unternehmen wirklich ausmacht, bringt mehr Sichtbarkeit nur mehr unpassende Bewerbungen.
Ich erlebe häufig, dass direkt mit Anzeigen gestartet wird, ohne die Basis zu klären. Für mich besteht Recruiting immer aus drei Schritten: Erst das Profil schärfen – also Arbeitgeber und Rolle wirklich verstehen. Dann gezielt sichtbar machen. Und erst im dritten Schritt das Ganze auf den digitalen Arbeitsmarkt bringen.
Gerade für inhabergeführte Unternehmen ist das entscheidend. Sie haben oft keine großen Budgets und brauchen Lösungen, die langfristig funktionieren.
Wenn diese Reihenfolge stimmt, werden Stellenanzeigen deutlich wirksamer – oder teilweise sogar weniger notwendig, weil Unternehmen klarer auftreten und die passenden Menschen anziehen.
Recruiting wird dadurch nicht lauter, sondern präziser.
Andrea Erdmann macht Passung sichtbar
Wie können mittelständische Unternehmen ihre Arbeitgebermarke authentisch sichtbar machen?
Authentische Sichtbarkeit entsteht nicht durch mehr Content, sondern durch Klarheit.
Viele Unternehmen denken beim Thema Arbeitgebermarke sofort an Social Media, Kampagnen oder aufwendig produzierte Inhalte. Das kann funktionieren – aber nur, wenn klar ist, was überhaupt gezeigt werden soll.
Gerade mittelständische, inhabergeführte Unternehmen haben hier einen großen Vorteil: Sie müssen nichts inszenieren. Ihre Stärke liegt in der echten Zusammenarbeit, kurzen Entscheidungswegen und einer oft sehr greifbaren Unternehmenskultur.
Der entscheidende Schritt ist deshalb, diese Realität einmal sauber zu erfassen und in klare Aussagen zu übersetzen: Wie arbeiten wir? Was ist uns wichtig? Wie führen wir? Und was erwartet neue Mitarbeitende konkret?
Wenn das definiert ist, wird Sichtbarkeit einfach. Inhalte entstehen aus dem Alltag heraus, Karriereseiten werden verständlich und Stellenanzeigen sprechen die richtigen Menschen an.
Authentische Arbeitgebermarke bedeutet nicht, sich möglichst gut darzustellen – sondern so, wie man wirklich ist. Genau das zieht am Ende die passenden Mitarbeitenden an.
Welche Rolle spielen Werteanalysen im modernen Recruiting?
Werteanalysen bringen Struktur in ein Thema, das sonst oft nur ein Bauchgefühl ist.
Viele Unternehmen entscheiden im Recruiting danach, ob jemand „gut ins Team passt“. Das funktioniert manchmal, ist aber schwer greifbar und nicht immer nachvollziehbar. Gerade wenn mehrere Personen entscheiden, entstehen unterschiedliche Einschätzungen.
Werteanalysen machen genau das sichtbar: Wie ist ein Unternehmen geprägt? Was treibt Menschen an? Und wie passen beide Seiten zusammen?
Ich arbeite dabei unter anderem mit den Online Tools von Profile Dynamics und dem Werteansatz nach Graves. Sie helfen, Motivation, Erwartungen und Arbeitsweisen greifbar zu machen und vergleichbar einzuordnen.
Das nutze ich, um Arbeitgeber, Rollen und Kandidaten klarer aufeinander abzustimmen. Dadurch wird Recruiting strukturierter, Entscheidungen werden sicherer und Zusammenarbeit langfristig stabiler.
Wertebasierte Entscheidungen ersetzen dabei nicht die persönliche Einschätzung – sie machen sie fundierter.
Wenn Unternehmen ihr Recruiting stärker wertebasiert aufstellen möchten, wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Am einfachsten über meine Website oder direkt per E-Mail andrea.erdmann@personalberatung-erdmann.de.
In der Regel starte ich mit einem kurzen Austausch, um zu verstehen, wo das Unternehmen aktuell im Recruiting steht und wo die größten Herausforderungen liegen. Daraus ergibt sich dann, ob und wie eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.
Wichtig ist mir dabei, dass es kein Standardprozess ist, sondern immer zur Situation und zum Unternehmen passt – gerade bei inhabergeführten Strukturen.
Weitere Informationen zu meinem Ansatz und meiner Arbeitsweise finden sich online. Von dort aus lässt sich auch unkompliziert Kontakt aufnehmen.
Über Andrea Erdmann
Andrea Erdmann unterstützt inhabergeführte Unternehmen dabei, im Recruiting Klarheit zu gewinnen und ein wertebasiertes Recruiting aufzubauen – darüber, wie sie wirklich arbeiten und welche Menschen dazu passen.
Mit über 25 Jahren Erfahrung im Recruiting zeigt sie, warum viele Suchprozesse nicht am Markt scheitern, sondern an fehlender Klarheit im Unternehmen selbst.






