Viele Unternehmen reden über Leistung, Effizienz und Wachstum. Gleichzeitig steigen Erschöpfung, innere Kündigung und psychische Belastungen in Teams spürbar an. Die Zahlen stimmen vielleicht noch auf dem Papier, doch hinter den Fassaden vieler Organisationen arbeiten Menschen längst im Daueranspannungsmodus.
Tanja Eggers stellt genau diese Arbeitsrealität infrage. Die Managementberaterin verbindet Leadership, Neurowissenschaft und systemisches Denken mit einer klaren Botschaft: Leistung entsteht nicht durch permanenten Druck, sondern durch stabile, gesunde Systeme. Im Interview spricht sie darüber, warum Menschlichkeit im Business kein Kuschelkurs ist und weshalb Unternehmen endlich verstehen müssen, dass mentale Gesundheit direkte Auswirkungen auf Erfolg, Innovation und Zusammenarbeit hat.
Interview mit Tanja Eggers

© Nicole Keilbach
Warum reichen Kennzahlen allein nicht mehr aus, um Teams gesund und leistungsfähig zu führen?
Kennzahlen allein haben noch nie ausgereicht. Kennzahlen zeigen Ergebnisse, aber nicht die Bedingungen, unter denen sie entstehen. Sie bilden weder die Qualität von Zusammenarbeit ab noch den inneren Zustand eines Teams.
Gesunde Performance braucht den Blick auf das System. Dies ist Aufgabe der Führung – es braucht heute beides: analytische Klarheit und die Fähigkeit, Dynamiken im System wahrzunehmen. Hierauf basiert gesunde Performance, es geht um einen nachhaltigen Ressourcen-Einsatz.
Die Führungspersönlichkeit wird bewusst und unbewusst zum ROLE MODEL im Unternehmen, sie steht im Fokus mit ihrem Verhalten.
Was übersehen viele Unternehmen, wenn sie über Performance sprechen?
Performance wird oft mit „höher, schneller, weiter“ gleichgesetzt und damit auf reinen Output reduziert. Dabei übersehen viele Unternehmen die entscheidende Frage:
Unter welchen Bedingungen entsteht diese Leistung?
Performance ist immer das Ergebnis von Kultur, Führung und organisationalem Kontext. Wenn interner Wettbewerb (oder sprechen wir von „Konkurrenzkampf“ oder gar „Silodenken“) stärker gefördert wird als Zusammenarbeit, dann schlägt dies ins Negative aus.
Gerade in komplexen oder krisenhaften Zeiten braucht es deshalb mehr als Tempo: Selbstreflexion funktioniert bei Vollgas nicht. Es braucht zunächst Momente des Innehaltens, um sich dann wieder neu ausrichten zu können. Achtsamkeit löst keine organisatorischen Unklarheiten in Bezug auf Rollen und Verantwortlichkeiten.
Sie kann jedoch dazu beitragen, dass diese Unklarheiten in ihrem Ausmaß wahrgenommen und dadurch zum Thema gemacht werden. Dies ist der erste Schritt zur weiteren Organisationsentwicklung und zu wertschätzendem Dialog auf Augenhöhe.
Wie verändern persönliche Krisen den Blick auf Führung und Unternehmenskultur?
Jede Lebensphase bringt Veränderungen mit sich. Unabhängig in welchem Alter und in welcher Lebenssituation wir sind. Manche Richtungswechsel sind geplant, andere kommen überraschend und ungewünscht.
Persönliche Krisen verschieben die Perspektive auf Führung und Unternehmenskultur oft grundlegend, so meine persönliche Erfahrung. Der Schlaganfall meines Mannes hat meinen Blick auf Führung, Gesundheit und Arbeit nachhaltig verändert, es hat meinen und unseren Management-Blick ver-rückt und stark geerdet.
Seitdem verbinde ich Erkenntnisse aus Hirnforschung, werteorientierter Führung und sinnorientiertem Arbeiten zu einem ganzheitlichen Verständnis von gesunder Performance.
Ich sehe heute viel klarer, wie eng Leistung, Verletzlichkeit und unsere Lebenswelten miteinander verbunden sind. Unternehmen funktionieren nicht losgelöst vom Menschen und Menschen nicht losgelöst von ihrem Umfeld.
Uns ist es wichtig, unseren Erfahrungsschatz aus mehreren Perspektiven zu teilen, um zu sensibilisieren und auch um Mut zu machen.
Tanja Eggers bricht mit altem Leistungsdenken

© Nicole Keilbach
Warum ist mentale Gesundheit längst ein strategisches HR-Thema geworden?
Mentale Gesundheit hat direkte Auswirkung auf Handlungsfähigkeit und Entscheidungskraft und somit auf die Wertschöpfung. Da unsere Arbeitswelt von permanenter Veränderung geprägt ist, wird genau das zum kritischen Erfolgsfaktor.
GESUNDHEIT IST MEHR. Gesundheit ist ein Wirtschaftsfaktor, ein Sozialfaktor, eine Perspektive. Unternehmen, die mentale Gesundheit als „Soft-Thema“ behandeln, unterschätzen die Wirkung. Es geht nicht um Wohlfühlprogramme, sondern um die Stabilität und Zukunftsfähigkeit von Organisationen.
Die zentrale Frage lautet nicht mehr nur: ‚Wie halten wir Mitarbeitende gesund?‘, sondern: ‚Wie gestalten wir leistungsfähige Systeme, in denen Menschen langfristig wirksam bleiben können?‘
Was bedeutet gesunde Performance konkret im Führungsalltag?
Gesunde Performance ist stark mit Mindful Leadership verbunden, als Gesundheitsperspektive im Business – für Selbstführung und Führung.
GESUND & ACHTSAM FÜHREN
… beginnt bei einer reflektierten Selbstführung.
… hat das Ziel, in Balance zu sein.
… basiert auf den eigenen Werten und Halten.
… heißt Zuhören & Wahrnehmen.
… fördert Dialog und Reflexionsräume
…schafft Bedinungen, unter denen Menschen wirksam arbeiten können
Führung verändert sich dadurch grundlegend: weniger Kontrolle, mehr Orientierung und Klarheit. Gerade angesichts von demografischem Wandel, steigenden Belastungen und zunehmender Komplexität wird deutlich: Gesundheit ist kein isoliertes HR-Thema. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und Teamwork.
Gesunde Performance bedeutet langfristig wirksam zu bleiben, ohne auszubrennen.
Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, die Leistung und Menschlichkeit besser verbinden wollen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Menschlichkeit und Zielorientierung sind kein Widerspruch – sie sind die Basis für nachhaltige Leistung. Zu M wie Management gehören für mich weitere M’s wie
- Mental Health
- Mindfulness
- Mindset
- und vor allem auch Menschlichkeit.
Mein Impuls lautet: „Macht Gesundheit zum Thema – auch im Business.“
Dabei geht es nicht um einzelne Maßnahmen, sondern um ein gesundheitsförderliches Gesamtsystem. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, wie zentral psychologische Grundbedürfnisse für Motivation, Leistungsfähigkeit und Bindung sind.
Mein Anliegen ist, bei präventiven Ansätzen zu unterstützen und im Hinblick auf die psychologischen Grundbedürfnisse aus Sicht der Neurowissenschaft zu sensibilisieren. Systemprävention im betrieblichen Gesundheitsmanagements bedeutet, ein gesundheitsförderliches Umfeld zu prägen und gesundheitsförderliche Maßnahmen in Unternehmen zu schaffen. Und dies beginnt bei Unternehmenskultur und Führung.
Ich begleite Unternehmen dabei in Business Coachings, beim Impuls-Workshops oder als Sparringspartnerin für das Management.
Ich begleite Unternehmen dabei im Business Coaching, in Impuls-Workshops und als Sparringspartnerin für Management und Führungskräfte – mit einer systemischen Perspektive auf Leadership, Unternehmenskultur und gesunde Performance.
Gerne vernetzt über LinkedIn oder Kontaktaufnahme über meine Website.
Über Tanja Eggers
Tanja Eggers ist systemische Managementberaterin und Gründerin von ANCORIS Consulting. Nach über 20 Jahren Führungserfahrung in Industrie und Handel begleitet sie heute Unternehmen bei Kulturwandel, Leadership und gesunder Performance. Ihre Arbeit verbindet Managementpraxis, Neurowissenschaft und systemisches Denken mit einem klaren Fokus auf zukunftsfähige Arbeitskulturen.



