Julia Bauer zeigt, warum viele Fachleute in Meetings, Präsentationen und Kundengesprächen unter ihren Möglichkeiten bleiben. Nicht wegen fehlender Kompetenz, sondern weil Worte austauschbar wirken, Botschaften verpuffen und Auftritte selten bewusst gestaltet werden. Wer Menschen erreichen will, braucht mehr als Buzzwords und Standardfolien.
Sie erklärt, wie starke Kommunikation heute wirklich funktioniert, warum Präsenz schon vor dem ersten Satz beginnt und weshalb in digitalen Zeiten echte Persönlichkeit zum größten Wettbewerbsvorteil wird. Ein Interview für alle, die beruflich überzeugender auftreten und nachhaltiger wirken wollen.
Interview mit Julia Bauer

©Yasmine Bollmann-Wetter
Warum wird starke Kommunikation im Business oft unterschätzt, obwohl sie über Wirkung und Karriere entscheidet?
Meiner Meinung nach wird die Bedeutung prägnanter Kommunikation weniger unterschätzt als vielmehr fehlinterpretiert: Häufig übernehmen wir für eine Branche oder einen Fachbereich typische Schlagwörter und verwenden diese sowohl auf Präsentationsfolien als auch im gesprochenen Wort, etwa in Kundengesprächen.
Das Zurückgreifen auf moderne Buzzwords mag auf den ersten Blick professionell wirken, steht jedoch nicht automatisch für passgenaue Wortwahl und maximale Wirkung. Generische Phrasen sind oftmals nichtssagend, während authentische Erklärungen und Geschichten verständlicher und nachhaltiger wirken.
Wer seinen eigenen Kommunikationsstil entwickelt und beibehält, wird weniger austauschbar. Letztlich geht es nicht darum, Modewörter zu verwenden, sondern Inhalte so zu vermitteln, dass das Gegenüber sie wirklich versteht.
Welche Fehler machen Führungskräfte am häufigsten, wenn sie vor Menschen sprechen müssen?
Wer viele To-dos hat, arbeitet möglichst effizient. Das führt häufig dazu, dass Präsentationen nicht mehr geübt oder neue Folien nur kurz überflogen werden. Dieser „Schnelldurchlauf“ liefert meist ein solides, aber ausbaufähiges Ergebnis.
Ich empfehle grundsätzlich, sich gezielt Gedanken über den Anfang und das Ende einer Präsentation zu machen. Denn laut Gehirnforschung bleiben der erste und der letzte Eindruck beim Publikum am stärksten haften.
Dazu gehört auch, den eigenen Auftritt vor und nach dem Sprechen mitzudenken: Wie betrete ich den Raum? Wie beginne ich meinen Beitrag? Wie kehre ich an meinen Platz zurück?
Was unterscheidet souveräne Präsenz von bloßer Selbstdarstellung auf der Bühne oder im Meeting?
An dieser Stelle greife auch ich kurz zu einem Schlagwort: Purpose. Der Sinn und Zweck unseres Handelns ist derzeit in aller Munde – beim Präsentieren wird er jedoch häufig vergessen. Deshalb rate ich dazu, sich bereits vor der Erstellung einer Präsentation zu fragen:
Warum spreche ich? Was braucht mein Gegenüber? Was ist mein Ziel?
Wenn diese Fragen klar beantwortet sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass alle Beteiligten einen echten Mehrwert aus der Kommunikation ziehen. Wer hingegen lediglich das präsentiert, was einem selbst wichtig erscheint, läuft Gefahr, an den Bedürfnissen des Publikums vorbeizusprechen.
Julia Bauer verrät die Macht des Auftritts

©Yasmine Bollmann-Wetter
Wie wichtig sind Moderations- und Kommunikationsskills in hybriden Arbeitswelten geworden?
Es mag abgedroschen klingen, aber ich bin überzeugt: Je digitaler wir werden, desto wichtiger wird das Menschliche. Uns stehen enorme Datenmengen zur Verfügung, die Zeit wird knapper, und generische Formulierungen sowie computergenerierte Inhalte helfen, schnell einen professionellen Eindruck zu erzeugen.
Gleichzeitig macht uns genau das austauschbar und erschwert es, die Aufmerksamkeit eines ohnehin überlasteten Publikums zu gewinnen. Menschen sehnen sich nach persönlichen Begegnungen, authentischen Geschichten und gutem Storytelling.
Das kann uns keine Maschine abnehmen. Gerade in digitalen Meetings sollten wir daher auf eine klare, persönliche und nahbare Kommunikation setzen.
Was verrät der erste Auftritt einer Führungskraft sofort über ihre innere Haltung?
Ein erster Auftritt kann viel verraten: ob jemand gestresst ist, sich sicher fühlt oder wie gut die Vorbereitung auf das Meeting und die Zielgruppe war. Gleichzeitig sollte man nicht vorschnell urteilen. Nervosität kann viele Ursachen haben – mangelnde Vorbereitung, Bühnenangst oder auch innere Zweifel an den zu liefernden Aussagen.
Es lohnt sich daher, genauer hinzuschauen. In meinen Trainings und Coachings gehen wir bewusst in die Ursachenanalyse, bevor wir daran arbeiten, den Auftritt gezielt zu stärken.
Welchen Tipp geben Sie Menschen, die beruflich überzeugender auftreten wollen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Ich empfehle allen, die beruflich viel präsentieren oder sprechen, sich bewusst Zeit für die eigene Kommunikation zu nehmen, wichtige Gespräche gedanklich durchzuspielen und zentrale Passagen einer Präsentation aktiv zu üben. Nur weil wir täglich über unsere Themen sprechen, heißt das nicht, dass wir sie optimal vermitteln.
Ich persönlich arbeite seit über 15 Jahren als Moderatorin und Rhetoriktrainerin. Trotz dieser Erfahrung gehört bei großen Veranstaltungen ein Probetag für mich selbstverständlich dazu, an dem Schlüsselmomente gemeinsam vorbereitet und durchgesprochen werden.
Dabei geht es nicht darum, das Wissen oder die Kompetenz der Beteiligten infrage zu stellen, sondern darum, das Gesamterlebnis so zielgruppengerecht und wirkungsvoll wie möglich zu gestalten.
Auf meiner Website finden Sie einen Überblick über meine Workshops. Besonders gerne arbeite ich jedoch individuell und konzipiere Formate, die exakt auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden zugeschnitten sind.
Für weitere Informationen erreichen Sie mich jederzeit per E-Mail unter JCB.Moderation@gmail.com – ich arbeite international, vor allem aber in Deutschland und der Schweiz sowie digital.
Über Julia Bauer
Julia Bauer ist Moderatorin, Rhetoriktrainerin und Expertin für wirkungsvolle Business-Kommunikation. Seit über 15 Jahren begleitet sie Führungskräfte, Unternehmen und Fachkräfte dabei, souverän aufzutreten, klar zu sprechen und vor Publikum überzeugend zu wirken. Sie arbeitet international, besonders in Deutschland, der Schweiz und digital.



