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Karin Hübner: Jobfrust ist kein Zufall

Karin Hübner kennt diesen Punkt genau, an dem Arbeit nicht mehr nur anstrengend ist, sondern innerlich leer macht. Wenn Sonntage schwer werden, der Körper protestiert und selbst Erfolge nichts mehr auslösen, dann geht es meist nicht um ein kleines Tief, sondern um ein klares inneres Warnsignal.

Mit über 20 Jahren Konzernerfahrung und ihrem eigenen beruflichen Neustart begleitet Karin Hübner heute Menschen, die spüren, so wie bisher soll es nicht weitergehen. Im Interview erklärt sie, warum berufliche Unzufriedenheit selten ein Jobproblem ist, weshalb die Entscheidung Gehen oder Bleiben so blockiert und warum gerade die Lebensphase um 45 für viele der Startpunkt für echte Neuorientierung wird.

Interview mit Karin Hübner

Interview Karin Hübner

Woran erkennt man, dass Jobunzufriedenheit kein vorübergehendes Tief ist?

Das entscheidende Merkmal ist, dass diese Unzufriedenheit nicht mehr aufhört. Ein vorübergehendes Tief hat meist nach zwei, spätestens vier Wochen ein Ende. Die Stimmung hellt sich wieder auf und wir finden zurück in unseren Alltag. Jobunzufriedenheit funktioniert anders.

Viele meiner Kundinnen erzählen mir, dass sie feststecken, sich im Kreis drehen und aus diesem Gefühl der Schwere und Aussichtslosigkeit nicht mehr herauskommen. Sonntagabends geht das Gedankenkarussell los, Abschalten gelingt kaum, das flaue Gefühl im Bauch wird zum ständigen Begleiter.

Es ist ein schleichender Prozess: Sie werden fahrig, gereizt, dünnhäutig, kommen schlecht gelaunt nach Hause, die innere Einstellung zum Job kippt.

Die typischen Gedanken sind:

  • „Ich quäle mich von Tag zu Tag und denke: Den Tag krieg ich schon irgendwie rum.“
  • „Ich lebe nur noch fürs Wochenende und das ist viel zu kurz, weil das flaue Gefühl sonntags sofort wieder da ist.“
  • „Ich bin abends völlig erschöpft, obwohl es nur ein ganz normaler Tag war.“
  • „Alles fühlt sich schwer an. Selbst einfache Dinge strengen mich plötzlich an.“

Diese Gedanken setzen sich über Wochen und Monate fest. Viele schalten irgendwann auf Autopilot, spüren keine Freude mehr. Selbst Erfolge im Team bleiben belanglos.

Und diese Unzufriedenheit bleibt nur nicht im Job. Sie zieht Kreise: ins Familienleben, in Beziehungen und vor allem auch in die Gesundheit. Wer jeden Abend erschöpft zusammenbricht, sich zurückzieht und kaum noch geduldig reagieren kann, spürt deutlich, dass der Punkt überschritten ist. Am Ende meldet sich ein sehr deutliches inneres Warnsystem, das sagt:

So möchte ich nicht weitermachen.

Warum ist die Entscheidung „Gehen oder Bleiben“ so schwer?

Weil wir nicht nur über unseren Job nachdenken, sondern über Sicherheit.
Die Frage „Gehe ich oder halte ich noch durch?“ löst sofort ein Echo aus:

  • Wird es woanders wirklich besser?
  • Schaffe ich einen Neustart?

Ein neuer Job bedeutet schließlich, wieder von vorn zu beginnen: neue Kolleginnen und Kollegen, neues Umfeld, neue Abläufe und sich neu beweisen zu müssen. Das klingt anstrengend und löst Unsicherheit aus. Es bremst.

Und dann tauchen sehr schnell diese Gedanken auf: „Ach, so schlimm ist es vielleicht doch nicht. Das halte ich noch aus.“
Trotzdem bleiben viele in Situationen, die längst an Kraft und Lebensqualität zehren.

In dieser Zwickmühle kommen viele Kundinnen und Kunden zu mir. Sie spüren, dass etwas nicht mehr passt und halten dennoch fest, weil sie nicht wissen, wie es weitergehen kann. Und denken: „Ich kann doch nichts anderes als das, was ich gerade tue.“

Oft reicht dann schon ein gemeinsamer Blick auf Stärken, Biografie und Kompetenzen. Plötzlich zeigen sich Job-Optionen, die vorher nicht sichtbar waren.

Sobald die vielen Optionen auf dem Tisch liegen, kehrt die Energie zurück und sie sagen: „Jetzt gehe ich los.“

Was war Ihr innerer Wendepunkt zur Neuorientierung?

Auch ich habe zu lange ausgehalten. Ich hatte meinen Traumjob, zumindest dachte ich das. Genau deshalb wollte ich die Signale meines Körpers und meiner Gedanken nicht hören. Zweifel ließ ich nicht zu. Mir gefiel das Bild der Powerfrau, die alles schafft: Kind, Karriere, Tempo.

Gleichzeitig zog ich mich zurück. Ich war ständig erschöpft, gereizt, innerlich angespannt. Die Signale meines Körpers, das Brennen in der Brust, die innere Unruhe, habe ich ignoriert. Kritik ließ ich nicht zu. Ich funktionierte weiter, Tag für Tag.

Der Tropfen, der alles zum Überlaufen brachte, kam an einem völlig normalen Morgen.

Ich stand in der Teeküche vor der Kaffeemaschine, im Autopilot, wie so oft. Das Telefon klingelte, ein ganz gewöhnlicher Anruf, nichts Dramatisches. Und trotzdem liefen mir plötzlich die Tränen, noch bevor ich überhaupt abheben konnte.

In diesem Moment wurde mir klar: So kann es nicht weitergehen. Ich war erschöpft, verzweifelt und längst über meinen eigenen Punkt hinaus.

Dieser Augenblick hat mich wachgerüttelt. Ich habe mir zum ersten Mal eingestanden, wie tief unglücklich ich geworden war und dass sich etwas ändern muss.

Heute begleite ich meine Kundinnen und Kunden genau an dieser Stelle: wenn Sonntagabende schwer werden, der Körper protestiert, das alte Leben nicht mehr trägt und es Zeit ist, einen neuen Weg zu gehen.

Karin Hübner: Jobwechsel beginnt im Körper

Zitat Karin Hübner

Warum ist berufliche Unzufriedenheit oft kein Jobproblem?

Unzufriedenheit entsteht selten durch die Aufgabe selbst, sondern wenn Job und Persönlichkeit nicht mehr zusammenpassen. Wir sind gut im Job, wenn Persönlichkeit, Werte, Tempo und Arbeitsweise wirklich zum Umfeld passen. Passt es nicht mehr, fühlt sich selbst ein guter Job schwer an.

Ein Beispiel: Jemand, der schnell handelt, Ergebnisse liebt und gern gestaltet, ist im öffentlichen Dienst oft nicht gut aufgehoben. Umgekehrt wird jemand, der Stabilität, klare Strukturen und Verlässlichkeit braucht, in einem Start-up kaum dauerhaft zufrieden sein. Es ist also nicht der Job, es ist die Passung.

Der zweite Punkt ist die Summe der Belastungen. Viele sind nicht erschöpft, weil die Aufgabe sie überfordert, sondern weil Verantwortung, Tempo, Erreichbarkeit und Erwartungsdruck über Jahre ihre Spuren hinterlassen. Dann verliert selbst eine Tätigkeit, die früher Freude gemacht hat, ihren Kern.

Dazu kommt die persönliche Entwicklung. Was vor fünf oder zehn Jahren motiviert hat, muss heute nicht mehr tragen. Unzufriedenheit zeigt oft, dass wir uns verändert haben, der Job aber nicht. Hier hilft ein entlastender Gedanke, den viele zum ersten Mal aussprechen: Mit mir ist nichts falsch, ich habe mich weiterentwickelt und verändert.

Auch die Arbeitskultur hat enormen Einfluss. Fehlende Wertschätzung, unklare Kommunikation oder moralische Spannungsfelder können den Job nach und nach kaputtmachen.

Berufliche Unzufriedenheit ist deshalb meist kein Jobproblem, sondern ein Signal. Sie zeigt, dass Job, Rahmenbedingungen oder die eigene Entwicklung nicht mehr zusammenpassen und dass es Zeit ist genau hinzuschauen, bevor die Energie ganz verloren geht.

Weshalb ist 45 häufig der Beginn eines Neustarts?

Was in jungen Jahren für uns gut gepasst hat Überstunden, Spontanität, gemeinsames Feiern mit Kolleginnen und Kollegen verliert an Bedeutung, sobald Familie, Verantwortung und Lebensplanung dazukommen. Prioritäten verschieben sich langsam, aber konsequent.

Viele meiner Kundinnen und Kunden sind genau in diesem Alter. Und viele beschreiben einen ähnlichen Moment: Sie stellen sich die Frage, ob sie ihren beruflichen Alltag wirklich noch weitere 15 oder 20 Jahre genauso weiterleben wollen. Sie haben viel erreicht, wissen, was sie können, und spüren gleichzeitig, dass die nächste Phase anders aussehen darf.

Ich selbst bin das beste Beispiel. Auch ich konnte mir irgendwann nicht mehr vorstellen, mein Berufsleben weiterhin in einem sehr schnellen, hippen Umfeld zu verbringen. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil es nicht mehr zu mir passte.

Deswegen weiß ich auch, dass ein Jobwechsel möglich ist und man hinterher so viel glücklicher ist. Und das ist meine Motivation: Menschen dabei zu unterstützen, neue Wege zu gehen und die berufliche Energie, Freude und Leichtigkeit zurückzugewinnen.

Kontakt:
Der erste Schritt ist oft ein unverbindliches Gespräch. Über meine Website lässt sich direkt ein Termin buchen oder via LinkedIn, wo ich regelmäßig Impulse und Einblicke teile.

  • Website
  • Mail: kontakt@karin-huebner.de

 

Über Karin Hübner

Karin Hübner ist Karriere-Mentorin und seit über acht Jahren Expertin für berufliche Neuorientierung besonders für Menschen aus der Medienbranche. Nach 20 Jahren in dieser Welt (u. a. ProSiebenSat.1 und N24/WELT) und ihrem eigenen beruflichen Neustart begleitet sie heute Kundinnen und Kunden in neue Jobs, die besser zu ihrem Leben passen.

Ihr Leitsatz: Veränderungen brauchen Mut, und Erfolg beginnt immer mit dem ersten Schritt.

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