BusinessInterviews

Magdalena Rogl fordert Führung mit Mut

Magdalena Rogl deckt auf, weshalb Unternehmen trotz moderner Strategien oft an alten Führungsmustern scheitern. Die Expertin für Responsible Leadership macht deutlich, dass fachliche Stärke allein keine Teams bewegt und emotionale Intelligenz längst zur Schlüsselkompetenz geworden ist.

Sie spricht über mutige Gespräche, echte Verantwortung und die Gefahr leerer Kultur Phrasen. Wer wissen will, warum menschliche Führung Leistung steigert, Vertrauen schafft und im KI Zeitalter unverzichtbar wird, findet hier klare Antworten.

Magdalena Rogl im Interview

Interview Magdalena Rogl

© PEOPLEANDPIECES

Warum wird emotionale Intelligenz im Business noch immer unterschätzt, obwohl sie so entscheidend ist?

Weil wir Jahrzehnte lang trainiert wurden zu glauben, dass Professionalität bedeutet, Gefühle an der Bürotür abzugeben. Diese Überzeugung sitzt tief in Strukturen, in Sprache, in dem, was wir als „sachlich“ und damit als seriös definieren.

Emotionale Intelligenz klingt für viele immer noch nach Kuschelkurs. Dabei ist sie das Gegenteil von weich: Sie ist die Fähigkeit, sich selbst und andere wirklich zu verstehen und auf dieser Basis klug zu handeln. Echtes SelbstBEWUSSTsein.

Emotionen sind wichtige Daten, die unser Körper uns schickt und wichtige Daten sollten wir nie ignorieren.

Was ich immer wieder erlebe: Unternehmen investieren Millionen in Strategie und Prozesse, aber kaum in die Frage, wie Menschen miteinander umgehen. Dabei entscheidet genau das über Innovationskraft, Bindung und Resilienz. Und das ist keine weiche These, das ist Verantwortung.

HR sollte für Human Relations stehen.

Was bedeutet „menschliche Führung“ konkret im Alltag und wo scheitert sie am häufigsten?

Menschliche Führung bedeutet wirklich zuhören, bevor man entscheidet. Fehler eingestehen können, ohne Gesichtsverlust zu fürchten. Mitarbeitenden ehrlich zu sagen, dass etwas schwierig wird, anstatt zu tun, als wäre alles machbar.

Scheitern sehe ich am häufigsten dort, wo Führungskräfte menschlich klingen wollen, aber strukturell keine Spielräume dafür existieren. Da gibt es das empathische One-on-one und dann die Quartals-KPIs, die alles wieder einebnen.

Das ist wie ein Garten, den man mit Liebe bepflanzt, aber nie giesst. Irgendwann verdorrt auch die beste Absicht. Menschliche Führung braucht kein perfektes Mindset. Sie braucht Zeit, psychologische Sicherheit und die Bereitschaft, Verantwortung auch dann zu übernehmen, wenn es unbequem wird.

Warum sind viele Führungskräfte fachlich stark, aber emotional nicht wirksam?

Weil wir sie genau dafür belohnt haben: für Kompetenz, Ergebnisse, Durchsetzungsstärke. Der Weg in Führungspositionen wird meist über fachliche Exzellenz gebahnt, nicht über Beziehungsfähigkeit. Das ist ein Systemfehler.

Wir haben Menschen in Führung gebracht und ihnen dann nicht beigebracht, wie man führt. Dazu kommt: Emotionale Wirksamkeit lässt sich schwerer messen. Man sieht sie nicht im Dashboard. Und was sich nicht messen lässt, wird oft nicht entwickelt – und noch seltener eingefordert.

Dabei ist genau das Responsible Leadership: Nicht nur für Zahlen verantwortlich sein, sondern für das Wohlergehen und die Entwicklung der Menschen dahinter. Ich erlebe Führungskräfte, die im Fachlichen brillant sind und gleichzeitig nicht merken, wie sehr ihr Team innerlich auf Abstand gegangen ist.

Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Unwissenheit über sich selbst. Wer sich selbst nicht kennt, kann auch andere nicht wirklich sehen, das lässt sich nur durch ehrliche Reflexion ändern, nicht durch noch mehr Fachkompetenz.

Genau dafür braucht es echtes SelbstBEWUSSTsein.

Magdalena Rogl macht Leadership wieder menschlich

Zitat Magdalena Rogl

© PEOPLEANDPIECES

Wie verändert KI die Anforderungen an Leadership wirklich?

KI übernimmt vieles, was Führung lange ausgemacht hat: Informationen filtern, Optionen bewerten, Prozesse steuern. Was bleibt und gleichzeitig wichtiger wird, ist das, was keine KI ersetzen kann: Haltung. Urteilsvermögen. Die Fähigkeit, einem Team in Unsicherheit Orientierung zu geben, nicht weil man alle Antworten hat, sondern weil man den Raum hält.

Da KI immer smarter wird, wird menschliche Reife zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Was ich spannend und gleichzeitig beunruhigend finde: Viele Organisationen diskutieren KI als Tool-Frage. Welche Software? Welche Prozesse?

Aber die eigentliche Führungsfrage lautet: Wie begleite ich Menschen durch eine Transformation, die viele als Bedrohung erleben? Das braucht emotionale Intelligenz. Und es braucht Verantwortungsbewusstsein denn wer KI einführt, ohne die Menschen mitzunehmen, spart kurzfristig Zeit und verliert langfristig Vertrauen.

Für mich ist klar: Je mehr künstliche Intelligenz es gibt, desto mehr emotionale Intelligenz brauchen wir.

Was unterscheidet echte Kulturveränderung von reinen Buzzwords und Lippenbekenntnissen?

Eine Frage reicht meist aus: Was passiert, wenn jemand einen Fehler macht?

Wer in einer Kultur arbeitet, in der auf Fehler mit Schuldzuweisungen reagiert wird, wird keine Risiken eingehen, keine unbequemen Wahrheiten aussprechen, keine Ideen teilen, die noch nicht fertig sind. Egal wie viele Werte auf der Website stehen.

Echte Kulturveränderung beginnt nicht mit einem Workshop und nicht mit einem neuen Leitbild. Sie beginnt damit, dass Führungskräfte selbst anders handeln sichtbar, konsistent, auch wenn es unbequem ist. Responsible Leadership bedeutet für mich: Verantwortung nicht delegieren, wenn es darauf ankommt.

Ich erlebe diese Spannung selbst zwischen dem, was Organisationen sein wollen, und dem, was im Alltag gelebt wird. Dieser Abstand ist der  Ausgangspunkt, den wir uns ehrlich anschauen müssen. Wer die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ignoriert, anstatt reflektiert, wird an dieser Lücke scheitern.

Welchen Tipp geben Sie Führungskräften, die mutiger und menschlicher führen wollen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Mutiger führen fängt nicht dann an, wenn alles stabil ist. Es fängt in dieser Woche an, in diesem Meeting, in diesem Gespräch, das du schon zu lange vor dir herschiebst.

Mut ist kein Charakterzug. Mut ist eine Entscheidung – die man täglich neu treffen kann. Und Verantwortung übernehmen heisst nicht, alles alleine zu tragen. Es heisst, anzufangen mit dem, was in der eigenen Reichweite liegt.

Mein konkreter Einstieg: Frag dein Team einmal pro Woche etwas, das du nicht fragen würdest, wenn du nur auf dein Image achtest. „Was macht euch gerade am meisten zu schaffen?“ „Wo bremse ich euch aus, ohne es zu merken?“ Die Antworten werden vielleicht unbequem sein, aber gleichzeitig wahnsinnig wertvoll.

Wer mich kennenlernen möchte als Keynote-Speakerin, für ein Gespräch über Kulturentwicklung oder einfach um zu sehen, was mich gerade beschäftigt: Ich bin auf LinkedIn und Instagram aktiv, und alles weitere findet sich auf meiner Website.  Ich freue mich über Menschen, die wirklich etwas verändern wollen. Nicht irgendwann. Jetzt.

Über Magdalena Rogl

Magdalena Rogl steht für eine neue Art von Führung: Verantwortungsvoll, mutig und zutiefst menschlich. Der STERN bezeichnete sie als „Botschafterin der Emotionen“ eine Haltung, die sie als Expertin für Responsible Leadership und Corporate Culture täglich verkörpert. Von der Kinderpflegerin zur Führungskraft bei Microsoft: Ihr Weg zeigt, wie Veränderung gelingt, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und mutig neue Perspektiven einnehmen.

Mit ihren Büchern, ihren Keynotes und ihrem gesellschaftlichen Engagement verbindet sie Leadership mit dem, was sie für die wichtigste Kompetenz unserer Zeit hält denn je mehr künstliche Intelligenz es gibt, desto mehr emotionale Intelligenz brauchen wir.

Antwort verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Next Article:

0 %